Wann ist ein Mann ein Mann?

Im Juni habe ich die Culture Shift-Konferenz in Thun besucht, wo Professorin Nancy Pearcey zu Gast war. Sie sprach unter anderem über ihr neuestes Buch „Der toxische Kampf gegen Männlichkeit“. Es ist im August auf Deutsch erschienen.

Im Zuge dessen und der aktuell in unserer Gesellschaft geführten Diskussion über toxische Männlichkeit habe ich mir die Frage gestellt, was denn einen Mann auszeichnet. Dies sind meine persönlichen Gedanken dazu.

Biologie

Zum einen sehe ich die biologische Seite. Ich glaube, dass die männliche Sexualität mit einer eindeutigen Absicht von Gott geschaffen wurde: zur Zeugung von Kindern. Nun ist ein Mann nicht nur in seinen Geschlechtsmerkmalen Mann, sondern in jeder Zelle seines Körpers ist der biologische Bauplan, die DNA, eines Mannes enthalten. In dieser Hinsicht findet die Männlichkeit ihre tiefste Bestimmung, ihre Erfüllung und ihr „Gefäss“ im Gegenüber der Ehefrau. Dort entfaltet sie ihre schöpferische, ihre Leben vervielfältigende Kraft, neben der Beziehung stärkenden und Bindung fördernden Wirkung. (1 Thessalonicher 4,4)

Potential

Zum anderen verstehe ich Männlichkeit als Potential. Sie ist zu jedem Zeitpunkt vorhanden. Sie ist Kraft in Möglichkeit. Männlichkeit ist immer da. Sie ist darauf angelegt, präsent zu sein und Ausdruck zu finden. Sie ist nicht losgelöst und zum Selbstzweck. Biblisch betrachtet ist sie Schöpfung und steht in Beziehung zum Schöpfer: Der Mann ist Sohn des himmlischen Vaters, ein Ausdruck der Identität des Vaters, Abbild, Ebenbild, in der physischen Welt sichtbar. (1 Mose 1,27)
Der Mann ist Bruder für seine Brüder. „Eisen schärft Eisen, genauso schärfen Männer einander.“ (Sprüche 27,17). Er ist Bruder für seine Schwestern. Er ist Vater für die ihm anvertrauten. Männlichkeit als Potential findet in diesen Beziehungsrahmen Ausdruck im Sinne von Präsenz, Kraft, Schönheit, Verlässlichkeit, Echtheit. 

Wann ist ein Mann ein Mann? In diesem Sinne immer.

Männlichkeit bedeutet meiner Meinung nach, seine Kraft und Stärke anderen anzubieten und sie einzusetzen, anwesend und sichtbar zu sein, sich nicht zu entziehen, sondern Verantwortung für sich selbst und seine Umwelt zu übernehmen. Männlichkeit bedeutet auch sein Potential anzunehmen, zu entwickeln, seine Fähigkeiten und sein Können anzuwenden mit gesundem Selbstvertrauen und gleichzeitiger Bewusstheit um Ergänzungsbedürftigkeit. Männlichkeit darf auch die Freude über sich selbst zum Ausdruck bringen, ihr geschaffen-sein annehmen und feiern.

So ausgelebt, wird sie zum Geschenk für das Umfeld, z.B. für die Familie, Frau, Freunde, Gemeinde, Arbeitskollegen und die Gesellschaft.
Wird sie jedoch im Eigensinn, nur zur Stillung der eigenen Bedürfnisse und zur Selbstdarstellung oder reduziert auf den Wettbewerb und das Kräftemessen genutzt, verfehlt sie ihre innewohnende Schönheit und Wirksamkeit. Auf diese Weise schadet sie dem Mann selbst wie auch seinen Nächsten.

„Sexualität geht bis zum Kern der Person. Sie kann ein Stück Himmel oder ein Stück Hölle auf Erden werden. Sie kann erheben oder zerstören.“ (Lucia Hauser)

„Die Bibel ruft Männer dazu auf, sowohl hart als auch zärtlich, mutig und fürsorglich zu sein. Männer, die wissen, dass sie nach Gottes Ebenbild geschaffen wurden, können voll und ganz Mensch sein, die all die vielfältigen Dimensionen von Gottes eigenem Charakter widerspiegeln.“ (:11)

„In der Genesis wird Gottes ursprünglicher Plan für das Mannsein beschrieben.“ Doch wie sieht gottzentrierte Männlichkeit in der Praxis aus?
„Soziologische Studien zeigen, dass entschlossen gläubige christliche Männer die liebevollsten und eifrigsten Ehemänner und Väter sind. Und das ist nicht nur frommes Gerede, sondern Ergebnis empirischer Forschung.“ (:44)
Zitate aus „Der toxische Kampf gegen Männlichkeit. Wie das Christentum die Geschlechter versöhnt.“ Nancy R. Pearcey.