Hochzeit
Vor drei Monaten haben meine Frau und ich mitten im Lockdown geheiratet. Vom Wunder unseres Kennenlernens schreibe ich unter Etwas neues II. Unser Erleben von Gott in unseren Hochzeitsvorbereitungen und am Hochzeitstag selbst ist eine andere Geschichte. Diese erzählen wir gerne persönlich. Hier möchte ich berichten, was ich kürzlich mit Gott erlebt habe. Es reiht sich in den grösseren Lernprozess der Hingabe ein.
Tempo
Über das 1. August-Wochenende waren wir in den Bergen und sind gewandert. Unterwegs haben wir über unsere Herausforderungen und Pläne gesprochen und über To-do’s ausgetauscht. Zusammen mit den Erlebnissen in der vergangenen Woche fühlte ich eine Überforderung in mir aufsteigen. Von allen Seiten hatte ich den Eindruck, ich sollte mehr leisten und einbringen, öfter die Initiative ergreifen, achtsamer und bewusster handeln. Ich fühlte die Spannung zwischen diesen MEHR’s und meinen begrenzten Ressourcen von Zeit und Energie.
Diese Spannung und Überforderung brachte ich zusammen mit meiner Frau vor Gott. Nur kurze Zeit später antwortete Gott auf für mich sehr eindrückliche, ganzheitliche Weise. Zuerst hörte ich innerlich das Wort Tempo. Ich bewegte es und dachte darüber nach.
Ich bezog es auf die Geschwindigkeit – langsam gehen. Ganz nach dem Sprichwort: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam.“ Ich sah, dass ich entschleunigen sollte. Ich machte mir den Druck und Stress selbst, denn ich wollte zu viel in zu kurzer Zeit.
Gott erlebt
Ein bis zwei Stunden später, zeigte mir Gott, was er damit meinte. Wir wanderten einem wunderschönen Berggrat entlang, als neben und hinter uns ein Gewitter aufzog. Es regnete, was uns nicht besonders störte, denn wir waren im Wald ziemlich gut geschützt. Es begann aber stark zu winden und es blitzte und donnerte. Wir befanden uns am Rand des Gewitters. Auf der einen Seite des Grates war Sonnenschein und blauer Himmel, auf der anderen war es grau und undurchdringlich.
Meine Frau hatte immer stärkere Knieschmerzen und konnte nur langsam gehen. Einerseits trieb mich die nahende Gefahr des Gewitters an. Andererseits wollte ich Rücksicht nehmen auf meine Frau und ich half ihr stützend beim Abstieg. Wir hatten auch für ihre Knie gebetet. Sobald sie stehen blieb, hatte sie keine Schmerzen. Nur wenn sie wieder weiterging.
Wieder kam mir das Wort Tempo in den Sinn. Ich erkannte, dass ich dabei war zu lernen, was es gerade jetzt bedeutete. Ich sah, wie ich mich selbst zur Eile antrieb und gleichzeitig an den äusseren Umständen nichts ändern konnte. Mir blieb nur, auf Jesus zu schauen und ihm zu vertrauen, dass er grösser ist, als die Umstände. Das brachte mich zurück in die Ruhe und Besonnenheit.
Als wir zum Wald heraus kamen, mussten wir kurz über eine Wiese gehen, bei nun strömendem Regen. Bald darauf sahen wir einen Stall, bei dem wir Schutz fanden. Der Regen und das Gewitter zogen darüber hinweg und wenig später brach die Sonne durch die Wolken und der blaue Himmel zeigte sich.
Nun konnten wir bei Sonnenschein weiter absteigen und zurück ins Dorf wandern. Da es nun zunehmend flacher wurde, war es für meine Frau auch weniger schmerzhaft.
Wieder einmal hatte ich Gott auf eindrückliche Art und Weise erlebt. Ich hatte ihm offen meine gefühlte Überforderung und innere Spannung gezeigt und er hatte mir erst ein Wort gegeben und mich anschliessend ganzheitlich erleben lassen, was er damit meint. Ich erlebte, wie er uns schützte und mich mitten in meiner Unruhe Vertrauen lehrte.
Ich nehme diese Erfahrung in meinen Alltag hinein und übe mich darin, auf Jesus zu schauen und nichts zwischen uns kommen zu lassen.
Mein Äusserstes für sein Höchstes
Seit ein paar Wochen lese ich fast täglich in dem Buch „Mein Äusserstes für sein Höchstes“. Darin geht um die praktische Hingabe an Gott. Ich schätze die kurzen und gleichzeitig tiefgründigen Inputs. Ich lerne, wie ich meine Beziehung mit Gott vertiefen und Ablenkendes, Störendes loslassen kann.
„Sich Gott weihen, das heisst sich immer wieder von allem trennen ausser von dem, was Gott mir zu tun aufgetragen hat. Das ist kein einmaliges Erlebnis, sondern ein fortschreitender Prozess. Mache ich mich jeden Tag wieder von den Dingen frei und richte mich auf Gott aus?“
Mein Äusserstes für sein Höchstes. Oswald Chambers. S. 45