Märchen
Im Märchen vom Froschkönig habe ich ein Beziehungsmuster von mir wieder entdeckt. In diesem Märchen verliert die Prinzessin eine goldene Kugel im Brunnen. Der Frosch, der im Brunnen lebt, bietet der Prinzessin an, ihr die Kugel wiederzubeschaffen, wenn er dafür nun an ihrer Seite leben darf.
Sie stimmt zu. Nachdem sie die Kugel wieder hat, vergisst sie sogleich ihre Abmachung mit dem Frosch. Dieser folgt ihr und pocht auf auf die Einhaltung der Abmachung. Nach mehreren Zugeständnissen ihrerseits, wirft sie den Frosch wütend an die Wand. Darauf verwandelt sich dieser in einen schönen Prinzen. Er nimmt sie zur Frau und sie reisen gemeinsam in sein Königreich.
Muster
Mein Beziehungsmuster, dass ich wieder erkannt habe in diesem Märchen, ist der Antreiber „sei liebenswürdig“. Obwohl in meinem Denken schon vor Beziehungsbeginn verankert war, dass über Bedürfnisse verhandelt werden muss, habe ich mit meiner Freundin oft etwas anderes gelebt.
So habe ich unbewusst Unverständnis, Unzufriedenheit, eine andere Meinung, usw. nicht geäussert, weil die Situation unpassend oder meine Gedanken und Gefühle nicht wichtig genug schienen. So habe ich mich nicht zu erkennen gegeben. Meine Gedanken und Gefühle habe ich für mich behalten. Ich blieb unfassbar. Selten habe ich Ärger ausgedrückt und vor allem positiven Gefühlen Raum gegeben.
Damit habe ich meine Freundin geschont. Ich habe mich ihr kaum zugemutet. So habe ich sie abgewertet. Ich habe ihr nicht zugetraut, dass sie mit meinen Äusserungen umgehen kann. Mir fehlte der Mut zur Konfrontation, wird mir nun bewusst. Unsere Beziehung war noch unreif.
„Unreife Liebe sagt: ich liebe dich, weil ich dich brauche. Reife Liebe sagt: ich brauche dich, weil ich dich liebe.“ Erich Fromm
Reife
„Vereint seid ihr geboren, und vereint sollt ihr bleiben immerdar. Doch lasset Raum zwischen eurem Beieinandersein, Und lasset Wind und Himmel tanzen zwischen euch. Liebet einander, doch macht die Liebe nicht zur Fessel: Schaffet eher daraus ein webendes Meer, zwischen den Ufern eurer Seelen. Füllet einander den Kelch, doch trinket nicht aus einem Kelche. Gebet einander von eurem Brote, doch esset nicht vom gleichen Laibe. Singet und tanzet zusammen und seid fröhlich, doch lasset jeden von euch allein sein. Gleich wie die Saiten einer Laute allein sind, erbeben sie auch von derselben Musik. Gebet einander eure Herzen, doch nicht in des anderen Verwahr. Und stehet beieinander, doch nicht zu nahe beieinander: denn die Säulen des Tempels stehen einzeln, Und Eichbaum und Zypresse wachsen nicht im gegenseit’gen Schatten.“
K. Gibran, Der Prophet. Wegweiser zu einem sinnvollen Leben. Olten, 1978, Von der Ehe, S. 15f.
Ein Gedanke zu „Der Froschkönig“
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